Kino-Kritik von Michael Baumgartner
Zu Beginn sieht man einen Raumfahrer desorientiert in einem Raumschiff erwachen. Er macht keinen kompetenten sprich professionellen Eindruck. Er wird zur tragischen Figur, als er erkennt, dass seine beiden Kollegen die Tiefschlafphase nicht überlebt haben. Dann setzen die Rückblenden ein.
Es ist der Physik-Lehrer und Molekular-Biologe Rayland Grace, der Kindern auch erklären muss, dass die Erde von Photophagen bedroht ist. Eine bisher unbekannte Lebensform nimmt der Erde das Sonnenlicht weg, es sind sehr widerstandsfähige "Astrophagen", die die Sonne umgeben und sich von ihrem Licht ernähren. Aber nicht nur die Sonne ist infiziert, sondern auch andere Sonnen in der Umgebung, nur Tau Ceti nicht. Weswegen ein Raumschiff dorthin geschickt wird, angetrieben von der Energie der Zellen, die die die Erde bedrohen. Der Lehrer unterrichtet die Expeditionscrew, bis ein schreckliches Unglück geschieht, der ein Teil der vorgesehenen Mannschaft tötet, und er kurzer Hand von der Expeditionsleiterin Eva Stratt geshanghait wird.
Wie es das Schicksal (oder der Film) will, trifft er als einziger Überlebender bei Tau Ceti einen Alien mit seinem Raumschiff, auch er ein Überlebender und auch seine Heimat im Eridanus System(?) ist bedroht. Sie lernen zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Daraus erwächst eine ungewöhnliche Freundschaft, die einen Weg findet, das Astrophagen-Problem zu lösen.
Das ist nach "Der Marsianer" die zweite Verfilmung eines Romans von Andy Weir.
Ryan Gosling und Sandra Hüller als Projekt-Leiterin ergänzen sich gut. Eine Frau mit Macht und Verantwortung, die nur beim Karaoke ihre emotionale Seite zeigt, Gosling als Mensch, der gerne redet, aber irgendwie verloren wirkt und sich für seine Rolle nicht mutig genug fühlt, kommt jedenfalls sehr sympathisch rüber.
Es gibt viel Spannung und viele Gefühle, fast an der Grenze zum Pathetischen. Dagegen haben die Macher den Humor gesetzt. Das Alien und sein Raumschiff sind recht fremdartig, also originell gestaltet. Das Kindliche, das man „Rocky“ - so nennt Grace den Alien - verpasst hat, kann man ertragen. Die Zusammenarbeit und die daraus resultierende Freundschaft steht im Mittelpunkt.
Das Universum zeigt sich von Leben erfüllt, aber das kann auch zum Problem werden. Diese optimistische Sicht auf das Leben sthat aber auch eine negative Seite.
Am Ende des Films steht eine Konstellation der interstellaren Völkerverständigung. Es ist bei solchen Filmen klar, wie sie ausgehen, also dass es ein gutes Ende gibt. Es kommt eher darauf an, wie man die Story ausgestaltet und da haben die beiden Regisseure vieles richtig gemacht, um aus „Der Astronaut“ einen Erfolgsfilm zu machen.
Ich heiße es prinzipiell gut, dass man zeitgenössische Romane verfilmt, denn die bereichern das Filmgenre. Ich frage ich aber, ob es gut war, dass ich den Roman vorher nicht gelesen habe.
Originaltitel: Project Hail Mary, USA 2026, Länge: 157 Minuten, FSK 12, Regie: Phil Lord, Chris Miller, Drehbuch: Drew Goddard, Produktion: Phil Lord, Chris Miller, Ryan Gosling, Andy Weir, Rachel O’Connor, Amy Pascal, Aditya Sood, Musik: Daniel Pemberton, Kamera: Greig Fraser, Schnitt: Joel Negron