Harald Lesch/Harald Zaun: Die unheimliche Stille. Warum schweigen außerirdische Intelligenzen und Superzivilisationen?

Buchkritik von Michael Baumgartner

Ein Sachbuch, das sich eines negativen Umstands annimmt: wieso haben wir noch keinen Beweis für die Existenz von Außerirdischen gefunden? Ihre Existenz ist doch sehr wahrscheinlich, es müsste sie sogar in einem Radius von 100 Lichtjahren geben, folgt man plausiblen Schätzungen.

Lesenswert war für mich war die Einführung mit die Geschichte der Suche nach Außerirdischen im Kosmos, die ab 1962 mit Radioteleskopen erfolgt. Die Drake'sche Formel spielt eine Rolle, aber auch das so genannte Fermi-Paradoxon, das eigentlich keines ist. SETI, SETA und Projekt Ozma.

Superzivilisationen heißt es im Untertitel deshalb, weil es am wahrscheinlichsten ist. dass wir zuerst auf eine weit höher entwickelte Zivilisation stoßen werden. Eine ungefähr gleiche Entwicklungsstufe von Aliens ist bei den zeitlichen und räumlichen Abständen unwahrscheinlich. Dieser eher unspektakuläre Umstand, die großen Abstände im Universum, wird auch angesprochen. Aber auch eher dramatische Gründe wie die Angst vor einem Erstkontakt, oder eine planetare Katastrophe bei den Außerirdischen.

Die Autoren plädieren angesichts der Risiken eines Erstkontakts dafür, erst mal nur zu horchen, auch wenn andere Zivilisationen dieselben Befürchtungen haben und sich zurückhalten.

Wir Menschen sollten vielleicht auch froh sein, denn wir bieten im Moment kein gutes Bild ab, sollten wir nur beobachtet werden. Auch das kann ein Grund sein, warum die Sterne schweigen.

Es gibt also viel mehr Gründe für die Stille als für den Lärm. Im Grunde ist das Interesse, die Existenz anderer intelligenter Lebewesen im All auch verifizieren zu wollen, einfach zu gering. Das sieht man ja auf der Erde: Viele sind überzeugt von der Existenz anderer Intelligenzen im All, und das reicht ihnen völlig. Regierungen ist das nicht wichtig genug, um kontinuierlich Geld für die Suche auszugeben. Nur sehr wenige wollen es wirklich wissen. Und noch weniger sehen der Kommunikation mit ihnen hoffnungsfroh entgegen.

Der neue „Trend“ bei der Suche nach Außerirdischen ist in diesem Buch auch angekommen: Die Sichtungen von UAPs (=Unknwon Air Phenomenons), vormalig UFOs, werden in die Überlegungen miteinbezogen.

Ein gut lesbares Buch, das mir als SF-Leser auch gefallen hat, weil Beispiele aus der SF-Literatur und -Film eine Rolle gespielt haben. Man erkennt, wie Wissenschaft und Kunst sich gegenseitig inspirieren.

Herder Verlag, Hardcover, 2024, 336 Seiten, ISBN 978-3-451-39278-8

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© Michael Baumgartner