Der wilde Roboter

Filmkritik von Michael Baumgartner

<< Nach einem Schiffbruch strandet ein intelligenter Roboter mit der Bezeichnung Rozzum 7134, kurz Roz, auf einer unbewohnten Insel. Es gibt dort keine Menschen, die Befehle erteilen könnten und denen er  Dienste anbieten kann. Die Tiere lehnen Roz als Freak zuerst ab. Mit der Zeit lernt er jedoch die Sprache der Tiere.  So freundet sich Roz mit den Tieren der Insel an. Als sie ein unbewachtes Vogelnest entdeckt, findet sie darin ein Ei, in dem sich Leben entwickelt hat. Als das Gänschen schlüpft, ist der große runde Kopf von Roz das erste, was das Kleine sieht, es ist also auf ihn geprägt.
Der Roboter befolgt den Rat eines Fuchses namens Fink und erstellt einen Plan, um Brightbill, wie sie das Gänschen nennen, dabei zu helfen, in der rauen Umgebung zu überleben und flügge zu werden, denn an diesem Ort, an dem jedes Lebewesen entweder Raubtier oder Beute ist, reicht es nicht aus, Fressen, Schwimmen und Fliegen zu lernen. Brightbill muss heikle soziale Situationen meistern und vor Beginn des Vogelzugs  in einen Schwarm aufgenommen werden, um mit seinen Artgenossen die beschwerliche Reise in den Süden anzutreten. Roz muss tief in seiner Roboterexistenz kramen, um den kleinen Vogel das richtige soziale Verhalten zu lehren.
Doch damit ist die Bewährungsprobe für Roz, der sich selbst programmiert hat, noch nicht zu Ende, denn er hat am Ende doch das Notsignal aktiviert. So wird ein Flugzeug der Firma auf die Insel gesendet, um ihn abzuholen... 
Ich bin vom Film sehr bewegt worden. Roz, der mit Kugelrumpf und Tentakelgliedern wie ein klassischer Roboter aussieht, versucht zu dienen und es gelingt ihm immer mehr. Man identifiziert sich schon ein wenig mit ihm. Auch der Fuchs ist sehr komplex angelegt, er ist das Gegenteil von Roz. Ein Raubtier, seiner Natur nach eigennützig und - typisch - von verschlagener Intelligenz. Letztendlich ist ihm die Freundschaft zu Roz aber wichtig, so dass auch er seiner "Programmierung" zumindest ein Stück weit entkommt.
Ich mag diese Roboter-Filme, in denen Roboter ein Spiegelbild des Menschen werden, wenn sie versuchen, ihrer (positiven) Programmierung zu folgen und dabei über sich selbst hinauswachsen. im Vergleich zu "Wall-E" ist der Film noch emotionaler. Im Unterschied zu Wall-E ist Roz eher weiblich konnotiert, weil er eine weibliche Stimme hat, in der deutschen Synchronisation von Judith Rakers, der ehemaligen Nachrichtensprecherin des ARD.
Eine große Stärke ist auch der Stil, der sich zum einen an den klassischen Disney-Film, zum anderen an den von Hayao Miyazaki angelehnt ist, und dem ganzen eine "impressionistische" Anmutung gibt . So ist eine sehr sehenswerte Mischung aus Tierfabel und Science Fiction entstanden. Dass die Macher sich mit Robotern auskennen, zeigt die Namensgebung. Rozzum ist eine Hommage an "Rossums Universalroboter" von Karel Capek, den ersten Robotern in der SF.
Die literarische Vorlage, der Kinder- und Jugendroman "Der wilde Roboter" von Peter Brown ist rechtzeitig zum Kinostart ins Deutsche übersetzt worden. Im Englischen gibt es inzwischen drei Romane. Vielleicht erhält auch der Film eine Fortsetzung. Neues Bild mit Text >>

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USA 2024, Originalsprache: Englisch, 102 Minuten, ab 6 Jahre,  Regie: Chris Sanders, Drehbuch: Chris Sanders, Produktion: Jeff Hermann, Musik: Kris Bowers, Schnitt: Mary Blee

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© Michael Baumgartner