Steffen König: Die Dämonen von Ulswater

Buchkritik von Michael Baumgartner

Der junge engagierte Anwalt Alan David Walden reist von London in die Provinz, in die Grafschaft Cumberland, um einen Hilferuf eines Freundes zu folgen. Der hat ihm auch ein seltsames Objekt geschickt, dass bei seiner Untersuchung ein seltsames Licht ausgestrahlt. Es ist das Jahr 1894 und es ist ein brütendheißer Sommer. In der Umgebung von Ullswater herrscht ein unheimliches Treiben. Der Freund ist nicht aufzufinden, aber auch andere Menschen und Tiere sind verschwunden, am Himmel gibt es unheimliche Lichter, und merkwürdige Eindrücke sind auf dem Waldboden zu erkennen. Ein seltsam zylindrischer Meteor ist im Wald eingeschlagen. Und der behäbige Polizist, den Walden um Unterstützung bittet, ist keine Hilfe, als sie sehen, dass von Maschinen auch Menschen in die Zylinder geschafft werden. Bald ist auch Walden ein Gefangener der unheimlichen Wesen, die im riesigen Metallzylinder leben. Hier, in der Nähe zu diesen hat er immer wieder Visionen von einer anderen Welt, mit einem roten Himmel und die schrecklich trocken ist. Dem Leser wird natürlich klar, was er da sieht, und diese Bilder liefern nebenbei auch die Gründe für die erste Expedition.
Ja, es wird bald klar, in welcher Romanwelt man sich befindet. Aber manche Dinge sind anders und es wird klar, dass der Leser es hier mit der Vorgeschichte von „Krieg der Welten“ zu tun hat. Walden hat es mit der Vorausabteilung der Marsianer zu tun, die die Erde erforscht, als zukünftigen Lebensraum. König gewinnt dem Stoff durchaus etwas Neues ab, setzt eigene Akzente. Er bezieht auch Elemente von „Das Kristallei“ der anderen Mars-Erzählung Wells ein, und verbindet sie zu einem einzigen Kosmos. Und das der Klappentext den Begriff „Kosmisches Grauen“ bemüht, kommt nicht von ungefähr, denn die Atmosphäre erinnert an „Die Farbe aus dem All“ von H.P. Lovecraft. Die Visionen einer fremdartigen Welt geben dem Roman noch einen weiteren Schuss Lovecraft hinzu, was der Rezensent durchaus als passend empfindet. 
Spannend erzählt ist die Erzählung und König schafft es auch, dem Erzähler einen moderaten, zeitlosen Stil angedeihen zu lassen. Wer „Krieg der Welten“ kennt, hat mehr vom Roman, aber die „unwissenden“ Leser haben mehr vom Spannungselement des Romans, behauptet der Rezensent. 
Fazit: Ein gelungener Erstling. Der Jungautor hat etwas gewagt, nämlich eine Art Prequel zu einem der größten Klassiker der Science Fiction zu schreiben und sich auf diese Weise auch mit seinem Autor zu vergleichen. Steffen König und dem Wurdack Verlag gehört für diesen Mut auf jeden Fall Anerkennung ausgesprochen.

(Hier geht es zu H.G. Wells: Krieg der Welten)

Orignialausgabe, Wurdack Verlag, Nittendorf 2014, Cover. Ernst Wurdack/Shutterback, ISBN 978-3-95556-005-8, 252 Seiten.

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© Michael Baumgartner