Star Wars: Andor Staffel 2

Kritik von Michael Schnitzenbaumer

 

Originaltitel: Andor – Staffel 2. Science-Fiction. USA 2025. 12 Folgen, 595 Minuten. Regie: Tony Gilroy, Ariel Kleiman. Drehbuch: Tony Gilroy, Beau Willimon, Dan Gilroy, Tom Bissell. FSK 12

Es war einmal vor langer Zeit in einer gar nicht weit entfernten Galaxis … Da kannten die Schmiede von Disney Star Wars den einen Weg, ein filmisches Highlight in Eisen zu gießen. Herausgekommen sind The Mandalorian Staffel 1 und 2 oder Andor Staffel 1. Seitdem ist die Schmiede kalt geblieben, doch nun wird sie wieder entfacht: 
Die Serie Andor Staffel 2 ist nicht nur herausragend im Vergleich mit anderen Star-Wars-Serien, sie kann auch dem Vergleich aller bisher erschienenen Disney Plus-Filmproduktionen standhalten. Für mich ist es die bisher beste Streamingdienstproduktion des Maus-Konzerns.

 

Es ist wie ein kleines Wunder! Denn ein Großteil der vergangenen Serien dieser einstmals beliebten Sternen-Saga hatte noch nicht einmal das Potenzial, sich aus dem Sumpf der TikTok-inspirierten Minuswerke heraus ins Mittelmaß zu heben.
Dabei finde ich es sogar fast verzeihlich, dass man einen schmerzhaften Tiefpunkt wie The Acolyte herausrotzt und uns Fans wie einen drei Tage lang gekochten Knastbrei auf den Teller klatscht („Halt’s Maul und friss!“). ‚Schmerzhaft‘, weil bei dieser Filmkost, die jeder vernünftigen Handlung entbehrt, die Jedi als Inbegriff allen Übels dargestellt werden. ‚Verzeihlich‘, weil man wenigstens ausnahmsweise mal die etablierten Charaktere und Publikumslieblinge in Ruhe lässt.
Ganz anders bei der Serie Ahsoka. Mit der miesen Charakterisierung von Ahsoka Tano und Großadmiral Thrawn wurden gleich zwei der größten Legenden der neueren Star-Wars-Ära gnadenlos vom Disney-Dilettantismus zerstört. Gerade bei Thrawn war es für mich fast unerträglich, zu sehen, wie dieser charismatische, hochintelligente Antagonist zu einem Honk degradiert wurde, der die Auswirkungen seiner dummen Entscheidungen mit seiner angeblichen Genialität schönschwätzt. Wer den wahren Thrawn kennenlernen will, jenen Thrawn, der von der latent bedrohlichen Ausstrahlung her fast gleichauf mit Vader ist, der sollte nicht Ahsoka sehen oder wahrscheinlich auch nicht die Kinderserie Rebels (die ich kaum kenne, weshalb ich hier mit meinen Aussagen vorsichtig bin), der muss weiter zurückgehen zu Timothy Zahns Roman-Trilogie Die Erben des Imperiums, Die dunkle Seite der Macht, Das letzte Kommando. Zahns Trilogie ist für mich die einzig wahre Fortsetzung von Die Rückkehr der Jedi-Ritter, mein persönlicher mit dem Herzen verbundener Kanon, während ich die Episoden 7 bis 9 schon lange aus meinem Star Wars Gedankenkatalog gestrichen habe. Mögen die Anbeter des offiziellen Kanons davon halten, was sie wollen.
Doch nun genug von Gift und Galle! Anscheinend kann ich keine Disney-Rezi mehr ohne vorheriges Gemotze schreiben. Sorry! Kommen wir lieber zu einer wirklich gelungenen Serie, der zweiten Staffel von Andor.

Die zweite Staffel schildert die Ereignisse zwischen Andor Staffel 1 und Rogue One: A Star Wars Story. Auch diese Staffel ist wieder in Abschnitte unterteilt, vier Stück, je drei Folgen pro Abschnitt. Jeder Abschnitt steht für ein Jahr, beginnend mit dem Zeitpunkt vier Jahre vor der Schlacht um Yavin.
Der Haupthandlungsstrang erstreckt über die komplette Staffel. Hier geht es um die imperiale Ausbeutung der Welt Ghorman, den daraus resultierenden Aufstand der Ghormaner und die sich aus dem Aufstand ergebenden Konsequenzen für die Rebellion.

Achtung! Hier wird es zu Spoilern kommen!

 

Handlung der Episoden 1 bis 3
Während Andor in Luthens Auftrag den Prototyp eines neuen Tie-Fighters aus einer Testfabrik stiehlt, warten dessen Gefährten auf der Agrarwelt Mina-Rau im Outer Rim auf seine Rückkehr.
Gerade zu diesem Zeitpunkt hat das Imperium beschlossen, dort eine Visite abzuhalten. Siedlung für Siedlung wird von kalten imperialen Kräften inspiziert. Andors Freundin Bix und die anderen geraten in Gefahr, entdeckt zu werden. Als ein imperialer Offizier versucht, Bix zu vergewaltigen, eskaliert die Situation …

Derweil möchte Andor den Tie-Fighter übergeben, doch sein Kontaktmann erscheint nicht am Treffpunkt. Stattdessen erwartet ihn eine fremde Rebellengruppe, die ihn, den vermeintlichen Tie-Fighter-Piloten, gefangen nimmt. Die fremde Gruppe ist sich auch untereinander uneins, weil sie dort einfach zurückgelassen worden ist. Daher sieht sich Andor verbitterten, gefährlichen Soldaten gegenüber. Als der Streit zwischen den Rebellen außer Kontrolle gerät, schwebt Andor in Lebensgefahr …
Für den Bau des geheimen Todessterns benötigt das Imperium Unmengen an Ressourcen. Daher beschließt Direktor Orson Krennic in einer streng geheimen Sitzung, Kalkit, ein einzigartiges Mineral, abzubauen, das nur auf dem Planeten Ghorman zu finden ist. Krennic nimmt dabei bedenkenlos in Kauf, dass der Planet durch den Abbau instabil werden und kollabieren könnte. Krennic ist klar, dass dies zu einem Aufstand der Ghormaner führen könnte. Wenn dieser Aufstand entbrennt, soll es aber so aussehen, als würde die ghormanische Bevölkerung in einem Akt des Terrors das Imperium grundlos angreifen.
Die steife Offizierin Dedra Meero (bekannt aus Staffel 1) schlägt deshalb vor, dass Ghorman Rebellen brauche, die einen Aufstand logistisch unterstützen. Zudem müsse der ghormanische Widerstand infiltriert werden. Dedra kennt auch schon den richtigen Mann dafür: Der ehemalige Sicherheitsoffizier Syril Karn (ebenfalls Staffel 1), der mit Dedra zwischenzeitlich liiert ist, hat in der Vergangenheit seine bedingungslose Loyalität zum Imperium und seine Hartnäckigkeit bei der Suche nach Andor unter Beweis gestellt. Er soll auf Ghorman stationiert werden. Von der bevorstehenden Ausbeutung des Planeten, erfährt Syril jedoch nichts … 

 

Die Schlacht um Ghorman
In den ersten sechs Episoden baut sich die Handlung langsam und zum Großteil spannend auf. Die darauf folgenden drei Episoden 7 bis 9 (zwei Jahre vor der Schlacht um Yavin – und nicht zu verwechseln mit den Prequel-Episoden ;-) sind für mich das eigentliche Finale und das absolute Highlight der Staffel.
Diese Episoden sind das mitreißendste auf Film gebannte Star Wars, das ich kenne. Davon würde ich in der Zukunft gerne mehr sehen. 

Der Plan des Imperiums gelingt. Die Ghormaner stellen sich geschlossen gegen ihre Besatzer. Eine Schlacht entbrennt, bei der die Ghormaner um ihr Überleben und um das Überleben des Planeten kämpfen. 
Hier begegnen sich auch Andor und Syril zum ersten Mal. Syril hat die wahren Motive des Imperiums endlich von Dedra erfahren. Als er Andor erblickt, schlägt sein Entsetzen und seine Verwirrung darüber, einer Todesmaschinerie anzugehören, in grenzenlosen Hass auf seinen vermeintlichen Widersacher um. Wutentbrannt stürzt er sich auf den überraschten Andor, der seinen Angreifer, jenem Mann, der ihm seit Beginn der ersten Staffel auf den Fersen ist, noch nicht einmal kennt …

 

Das Imperium
Die zweite Staffel setzt noch eins drauf, wenn es darum geht, den finsteren imperialen Apparat zu zeigen. Das Imperium ist eine perfide Vernichtungsmaschine. Folter, Vergewaltigung und Massenmord gehören ebenso zu dessen Werkzeugen, wie die bösartige Planung des Untergangs eines ganzen Planeten (Dedra Meero und Orson Krennic). 
Auch in Staffel 2 werden die Figuren wieder glaubhaft und lebendig dargestellt. Die Angehörigen des Imperiums sind jedoch vollkommen unterschiedlich und verfolgen alle eigene Interessen.
Krennic geht über Leichen, wenn es um die Fertigstellung seines Lebenswerks, seines Denkmals für die Ewigkeit geht: Der Todesstern.
Dedra scheint nur einen Sinn im Leben zu sehen: auf der Karriereleiter aufzusteigen, obwohl man ihr später deutlich ansieht, dass die von ihr angewandten Methoden sie teilweise selbst anwidern.
Syril ist ideologisch ganz auf Linie und hinterfragt das Imperium nicht. Für ihn handelt das Imperium immer richtig. Erst als er das wahre Gesicht des Imperiums in Form von Dedras gewissenlosen Aktionen erkennt, löst das einen Schock in ihm aus.
Gerade Dedra und Syril repräsentieren die menschliche Seite des Imperiums. Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass die Figuren menschlich handeln. Oft ist genau das Gegenteil der Fall, aber sie handeln menschlich nachvollziehbar, was das Imperium für uns zwar nicht sympathischer, aber nahbarer macht. 
Syril und Dedra sind nicht böse im eigentlichen Sinn, sondern gefangen in ihren Rollen und ihren Lebensumständen. Wir können uns gut vorstellen, dass ihnen auch ein anderes Schicksal hätte beschieden sein können, wenn ihnen ein anderer Lebensweg offen gestanden wäre.
Von dem her werden uns wieder faszinierende Antagonisten geboten, die meiner Ansicht nach diese Staffel mehr prägen, als Andor und seine Rebellen. Doch es gibt auch den Widerstand innerhalb des imperialen Gremiums, das Gewissen, in der Person von Lieutenant Looni Jung, einem Spion, der Luthen über Jahre mit Informationen versorgt.
Das Imperium hingegen scheut nicht davor zurück, selbst die eigenen Leute zu opfern. Auf Ghorman landen imperiale Frischlinge, also unerfahrene Soldaten, die mitten in den Aufstand entsandt werden, da der Offizier darauf spekuliert, dass ein Fehler der jungen Rekruten eine tödliche Kettenreaktion auslöst.
Ghormans Vernichtung (die wir zwar nicht sehen, aber aufgrund der Handlung erahnen) ist viel eindringlicher als die Zerstörung eines Planeten wie Alderaan durch den Todesstern. Die um ihr Überleben kämpfende Bevölkerung wird massakriert und der Planet ausgebeutet. 
Und im Geiste höre ich Palpatines Lachen.

 

Die Rebellion
Die Rebellion auf der anderen Seite ist zersplittert und uneins. Viel zu oft zieht man nicht am selben Strang. Der Widerstand gegen das Imperium besteht aus mehreren losen Gruppierungen. Da ist Luthen auf Coruscant, dem Andor loyal zur Seite steht. Zudem existieren unprofessionelle, heißblütige Gruppen, wie wir sie in den ersten drei Episoden erleben. Es gibt paranoide Anführer wie Saw Gerrera, der auch hier ein paar Auftritte bekommt.
Nach Erscheinen von Mon Mothma auf Yavin wird die Rebellion langsam zu jenem Bündnis geschweißt, das wir von den Filmen her kennen. Im Grunde ist die Entwicklung der Rebellion sehr interessant. Aber die Staffel enthält diesbezüglich auch einige Schwächen.
Zwar sind Andor, Bix, aber vor allem Luthen und Mon Mothma wieder sehr gut geschrieben und mit der Tiefe ausgestattet, die einen reizvollen Charakter kennzeichnet, aber zu viele Rebellen-Charaktere haben überhaupt kein Profil. Sie bleiben blass und sind einem schlichtweg egal. Egal war es mir, als Wilmon die gefährliche Mission erhalten hat, sich zeitweise Saw Gerreras Trupp anzuschließen. Gleichgültig wie bereits in Staffel 1 stand ich auch dem Schicksal von Cinta Kaz und Vel Sartha gegenüber. Diese und andere Figuren sind schlicht überflüssig. Auch in der Widerstandsbewegung auf Ghorman hat kein Charakter so richtig hervorgestochen. Einzige Ausnahme bei den Rebellen ist da vielleicht noch Kleya, die rechte Hand von Luthen, die uns ihr Geheimnis enthüllt.
Gefreut habe ich mich aber, als endlich K-2 aufgetaucht ist. Zu Beginn noch, als imperialer Droide, ist er überraschend brutal. Wobei! Auch umprogrammiert hat K-2SO eine gewisse Brutalität bewahrt. Er setzt sie nur zum Vorteil der Rebellen ein. Er ist ebenso gut gelungen, wie in Rogue One. Das war mir wichtig, weil ich den Droiden sehr schätze, und er dient als Auflockerung, als Gegenpol zu der ansonsten ernsten Handlung. 
Insgesamt sind die Rebellen ein wilder Haufen, der jedoch im Laufe der Staffel an Organisation gewinnt und sich nicht halb so dumm verhält wie die Rebellen in der späteren Timeline, nach Zerstörung des zweiten Todessterns, in der der Todesmond auch sämtliche Intelligenz der Rebellen mit fortgerissen zu haben scheint (siehe Mandalorian Staffel 3, Ahsoka Staffel 1, der Widerstand in den Sequels).
Luthen bleibt bis zum Schluss aufgrund seiner zwielichtigen Rolle ein Außenseiter, obwohl er die Rebellion erst möglich gemacht hat. Doch diese Rolle nimmt er klaglos an.

 

Fazit
Wie oben bereits erwähnt ist Andor für mich die beste Disney Original Geschichte, die der Streamingdienst zu bieten hat. Nur Shōgun reicht da noch heran. Mit dieser Staffel endet die Geschichte um Andor mit einer versöhnlichen letzten Einstellung vor der Abblende, doch ein richtiges Ende gibt es hier nicht. Ebenso wie Rogue One nahtlos in Eine neue Hoffnung übergeht, geht Andor Staffel 2 nahtlos in Rogue One über. Ein neuer Kreislauf beginnt.
Ich möchte mich bei Tony Gilroy und seinem Team, den Verantwortlichen für Andor und Rogue One, bedanken. Im Gegensatz zu manch namhaften Regisseuren wie J. J. Abrams oder Rian Johnson haben sie mich daran erinnert, welches Potential in Star Wars steckt und warum ich dieses Franchise liebe.

Andor Staffel 2 kann auf Disney Plus gestreamt werden und ist auf Blu-ray erhältlich.

 

Andor Staffel 1

Erst veröffentlicht in BWA 507, Dezember 2025

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© Michael Baumgartner